Gmunden, 19.10 bis 22.10.2017

Freitag, 20. Oktober 2017

11:00 Uhr

Jugendprogramm
Workshops mit Franz Schuh, Renate Becker, Peter Huemer und Knut Boeser

 

 

12:30 Uhr

Film (D 2016, 115 Min) : Terror. Ihr Urteil
Regie: Lars Kraume

Paul Michael Zulehner / KUV 2016

Darf man 164 Menschen töten, um 70.000 zu retten? Das Gericht steht vor einer schweren Entscheidung. Durfte der Kampfpilot Lars Koch eine Passagiermaschine abschießen, um zu verhindern, dass ein Terrorist das Flugzeug in ein vollbesetztes Fußballstadion stürzen lässt? Weil es keinen Befehl gab und er sich eigenmächtig über geltendes Recht hinwegsetzte, muss sich der 31-Jährige jetzt verantworten. Für den Familienvater ist klar, dass er als Soldat im Kampf gegen den Terrorismus nicht anders handeln konnte. - Heldentat oder Verbrechen? Schuldig oder nicht schuldig? Der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller und Jurist Ferdinand von Schirach entwirft hier ein Gedankenexperiment als erschreckend aktuelles Gerichtsdrama. Das Publikum wird Teil eines einzigartigen Kinoexperiments und entscheidet live über den Ausgang des Films, des Prozesses und damit über das Schicksal des Angeklagten.

Grimme-Preisträger Lars Kraume verfilmte das Justizdrama 2016 als multimediales und interaktives TV-Event mit Burghart Klaußner, Martina Gedeck, Florian David Fitz u.a.

 

in Kooperation mit Kulturiniative 08/16

 

15:00 Uhr Edit Schlaffer
Terrorismus und gewalttätiger Extremismus: Worten müssen Taten folgen
Franz Schuh / KUV 2016

Die Terroranschläge, die auch bei uns angekommen sind, haben uns alle wachgerüttelt. Das latente Gefühl von Angst und Schrecken, das Menschen in vielen Teilen der Welt durch ihren Alltag begleitet, nimmt auch von uns Besitz: Selbstmordanschläge quer durch den Irak, Syrien und Pakistan bestimmen schon lange die Nachrichten; in Afghanistan sind die Taliban längst wieder auf dem Vormarsch; in Nigeria werden weiterhin Mädchen verschleppt, ganze Dörfer niedergebrannt - und keine militärische Macht scheint in der Lage zu sein, diesen Irrsinn zu stoppen. Wir beobachten eine Gräueltat nach der anderen, sind fassungslos, aber konsequent einen Schritt hinter den sich mittlerweile fast überstürzenden Attacken, die in immer kürzeren Abständen passieren. Das Gebot der Stunde ist, zusammen zu stehen, aber darüber hinaus, zusammen zu arbeiten. Wir müssen uns nach Verbündeten umschauen. Eine fast unwahrscheinliche Gruppe scheinen Mütter zu sein, deren Söhne und Töchter dem Lockruf Syriens erlegen sind und aus Europa in den "Heiligen Krieg" aufbrachen. Keine einzige von ihnen hat es sich ausgesucht, die Mutter eines syrischen Kämpfers oder einer Jihadi-Braut zu werden; sie unterdrücken ihre eigenen Gefühle von Scham und Schuld und treten mit großem Mut in die Öffentlichkeit. Die Mütter der Jugendlichen, die in den Jihad gezogen sind, sind tatsächlich eine der wichtigsten Informationsquellen für mögliche Präventionsstrategien. Und genau hier setzt das Frauen ohne Grenzen Projekt der "Mother Schools: Parenting for Peace!" an. Es zielt darauf ab, das Potential von Müttern beim Schutz ihrer Kinder vor radikalem Extremismus zu erkennen, freizusetzen und zu stärken, sowie darüber hinaus die Abwehrfähigkeit ihrer Gemeinschaft zu verbessern – ein Sicherheitskonzept, das zu Hause beginnt.

 

Edit Schlaffer, 1950 in Stegersbach/Burgenland geboren, ist Sozialwissenschaftlerin und Autorin zahlreicher Bücher und Publikationen. 2002 gründete sie "Frauen ohne Grenzen", eine internationale Dialog- und Kooperationsorganisation für Frauen weltweit. Sie etablierte ein globales Netzwerk von Frauen, die sich oft unter Einsatz ihres Lebens für Gerechtigkeit, Frieden und Sicherheit in ihren Ländern einsetzen. "Frauen ohne Grenzen" hat 2008 das einmalige Modell der MotherSchools: Parenting for Peace! entwickelt, eine Plattform, die Mütter unterstützt, individuelle und soziale Barrieren abzubauen und so das Tabuthema Extremismus anzusprechen. In den MotherSchools bekommen die Teilnehmerinnen die Möglichkeit, kollektive Strategien zu entwickeln, um den radikalen Einflüssen, denen ihre Kinder potentiell ausgesetzt sind, entgegenzuwirken. Die MotherSchools positionieren Mütter als wichtige Verbündete gegen Radikalisierung und Rekrutierung. Die MotherSchools sind mittlerweile von UNESCO und RAN (Radicalization Awareness Network) als Best Practice Modell anerkannt. Für ihre Arbeit erhält Edit Schlaffer international Anerkennung. 2016 wurde sie mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet und von Foreign Policy in Washington DC als eine der 100 führenden "Global Thinkers 2016" gewählt. 2015 erklärte sie das amerikanische Magazin Newsweek zu einer der "150 Movers and Shakers", ebenso erhielt sie den Aenne Burda Award for Creative Leadership in München und den Soroptimist International of Europe Peace Prize in Istanbul. Das amerikanische Magazin Women´s eNews betitelte sie 2011 als eine der "21st Leaders for the 21st Century".

 

15:30 Uhr Renate Becker
Familie und wie man sie überlebt
Renate Becker/KUV 2016

Die Familie ist die kleinste terroristische Zelle. Zusammengehalten durch atmosphärisch vermittelte, unausgesprochene und deshalb umso wirksamere Regeln und Tabus, lebt und gedeiht dieser unspektakuläre Terror unerkannt und vor allem nicht benannt im familiären Biotop. Subtile Angriffe, Verunsicherungen, kleine Demütigungen, angedrohte und ausgeübte Gewalt, Willkür und emotionale Erpressung – um nur einige Faktoren zu nennen – all dies spielt sich in dem sozialen Feld der Familie ab. Ideologisch überhöht und geradezu "heilig", Grundlage der Gesellschaft und gleichzeitig "rechtsfreier" Raum, Sehnsuchtsort der Geborgenheit und erlebter Entfremdung, ein Spannungsfeld, in dem konkret Erfahrenes oft keinen Ort hat, weil "nicht sein kann, was nicht sein darf". Und: Wir haben nichts Besseres.

 

Renate Becker, Literaturwissenschaftlerin und Gestalttherapeutin. Bis 1995 Dozentin am German Department an der University of Warwick/ GB; langjährige Chefredakteurin der Zeitschrift Gestalttherapie; Vorträge und Veröffentlichungen zum Thema „Gender und Darstellungsformen des Weiblichen in der Literatur“.

 

16:00 Uhr Thomas Vašek
Ein Funke genügt ...
Walter Ötsch / KUV 2016

Vor mehr als 20 Jahren erschütterte Österreich eine Serie von ausländerfeindlichen Brief- und Rohrbombenanschlägen, für die der Steirer Franz Fuchs als mutmaßlicher Einzeltäter verantwortlich war. Bei seinen akribisch geplanten Anschlägen benutzte Fuchs terroristische Strategien und Taktiken, von Bekennerschreiben über Täuschungs-und Ablenkungsmanöver bis hin zur medialen Inszenierung der Anschläge. Auf Basis einer Rekonstruktion des Falles werden Parallelen zum IS-Terrorismus gezogen und philosophische Thesen zur Anatomie der terroristischen Tat entwickelt. Der Vortragende war führend an den journalistischen Recherchen zum Briefbombenfall beteiligt und schrieb dazu ein Buch
(Ein Funke genügt…, edition selene, 1999).

 

Thomas Vašek, 1968 in Wien geboren, ist Gründungschefredakteur der Philosophiezeitschrift Hohe Luft. Er arbeitete als Journalist, u.a. war er Chefredakteur von MIT Technology Review und P.M.- Magazin sowie Ressortleiter beim österreichischen Nachrichtenmagazin profil. Er ist Autor einer Reihe von Büchern, darunter philosophie! die 101 wichtigsten Fragen (2017) und des Bestsellers Work Life Bullshit (2013); weitere Titel: Denkstücke (2012), Die Weichmacher (2011) sowie Seele. Eine unsterbliche Idee (2010) und Ein Funke genügt… Die Briefbombenattentate. Der Fall Franz Fuchs (1999). Thomas Vašek lebt in München. In seiner Freizeit betätigt er sich als Boxer.

 

16:30

Franz Schuh
"Pardon wird nicht gegeben!" Eine Textmontage über Grausamkeit

Peter Huemer / KUV 2016 Franz Schuh, Franz Schuh, Philosoph, Schriftsteller, Literaturkritiker, 1947 in Wien geboren, studierte Philosophie, Geschichte und Germanistik. Von 1976 bis 1980 war er Generalsekretär der Grazer Autorenversammlung, ab 1980 Redakteur der Literaturzeitschrift wespennest. Bekannt wurde er seit den 1980er Jahren als Literaturkritiker für profil und FALTER sowie als Kolumnist für DIE ZEIT, Neue Zürcher Zeitung und Literaturen. Darüber hinaus ist er als freier Mitarbeiter für Rundfunkanstalten sowie als Lehrbeauftragter an der Universität für angewandte Kunst Wien tätig. Zahlreiche Veröffentlichungen, zuletzt Der Krückenkaktus. Erinnerungen an die Liebe, die Kunst und den Tod (2011), Sämtliche Leidenschaften (2014), Fortuna. Aus dem Magazin des Glücks (2017). Er wurde vielfach ausgezeichnet; 2017 wurde ihm der Paul Watzlawick-Ehrenring der Ärztekammer Wien verliehen.
17:00 Thomas Riegler
Terrorismus – damals und heute
Hannas schlafende Hunde / Film von Andreas Gruber / KUV 2016

Terrorismus ist alles andere als ein neues Phänomen, sondern weist eine lange Vorgeschichte auf. Aus der Betrachtung dieser Vergangenheit lassen sich Rückschlüsse für das Heute ziehen. Neben dieser allgemeinen Betrachtung geht der Vortrag insbesondere auf die Erfahrung Österreichs ein. Folgende Fragen stehen im Mittelpunkt: Wann und warum war die 2. Republik bislang Schauplatz von Terrorismus? Mit welchen Bedrohungen war das Land konfrontiert, und wie wurde darauf reagiert?

 

Thomas Riegler, Historiker und Publizist, wurde 1977 in Amstetten geboren. Studium der Geschichte und Politikwissenschaft in Wien und Edinburgh (2001 Mag. phil., 2008 Dr. phil.). Dissertation Terrorismus. 9/11 im Kontext: Akteure, Strukturen, Entwicklungslinien (veröffentlicht 2009 unter dem Titel Terrorismus. Akteure, Strukturen, Entwicklungslinien). Weitere Publikationen: Im Fadenkreuz: Österreich und der Nahostterrorismus 1973-1985 (2010) und Tage des Schreckens: Die OPEC-Geiselnahme 1975 und die Anfänge des modernen Terrorismus (2015). Wissenschaftliche Schwerpunkte: Terrorismus, Nachrichtendienste, Militärgeschichte, österreichische Zeitgeschichte, Film. Seit 1. 9. 2017 ist er in der Abteilung für Verteidigungspolitik/ Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport tätig.

 

In der Pause Treffpunkt Foyer
   
18:00

Gesprächsrunde mit Edit Schlaffer, Renate Becker, Thomas Vašek, Franz Schuh und Thomas Riegler

Moderation Peter Huemer

 

 

Anschließend Empfang des Bezirkshauptmanns Ing. Mag. Alois Lanz
20:00

Autorenlesung

Eva Rossmann
Patrioten

Andreas Gruber / KUV 2016

"Vielstimmig, vielschichtig – Rossmanns bester Roman." (Kurier) - Die Angst geht um in Europa. Der Vorsitzende der Patriotisch Sozialen wird ans Kreuz genagelt. Den Nationalisten gibt das noch mehr Aufwind. Christliches Abendland gegen Islam. Was sind schon Fakten? Hautnah erleben sie es mit: Frau Klein, die im Zweiten Weltkrieg ein Kind war. Herr Pribil, immer im Widerstand und plötzlich verliebt. Die Syrerin Sina, deren Mann verschwunden ist. Wech, David, Jennifer … ES hetzt in den sozialen Medien. Kann uns nur mehr ein neuer Führer retten? - Mit ihrem neuen politischen Spannungsroman Patrioten schafft es Eva Rossmann, den Finger in die gesellschaftlichen Wunden Europas und Österreichs zu legen: Nationalismus, Terror und Hass.

Eva Rossmann, 1962 in Graz geboren, lebt im Weinviertel. Verfassungsjuristin, politische Journalistin u. a. beim ORF, der NZZ und den Oberösterreichischen Nachrichten, Köchin, Drehbuchautorin, TV- und Radio-Moderatorin des ORF. Seit 1994 freie Autorin und Publizistin, u. a. für das Gastromagazin À la Carte. Eva Rossmann veröffentlichte zahlreiche Sachbücher und Kriminalromane zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen. Für ihr frauenpolitisches Engagement wurde sie im Jahr 2000 vom PR-Verband Österreichs zur "Kommunikatorin des Jahres" gewählt. "Österreichischer Buchliebling 2009" in der Kategorie Krimi & Thriller, Großer Josef-Krainer-Preis 2013, Leo-Perutz-Preis 2014.

 

Anschließend

Im Gespräch Eva Rossmann und Peter Huemer

   
Anschließend Treffpunkt Foyer
 

AK-Kultur