Traunkirchen, 24.10 bis 27.10.2019

Freitag, 25. Oktober 2018

10:00 Uhr
Seminarraum Symposion Hotel Post

Jugendprogramm
Workshops mit den Referenten der OBERÖSTERREICHISCHEN KULTURVERMERKE

 

 

10:30 Uhr
Stiftersaal

Im Gespräch
Renate Becker mit Franz Schuh über Trauer, Melancholie, Therapie

Renate Becker/ KUV 2019

 

Renate Becker, Literaturwissenschaftlerin und Gestalttherapeutin. Bis 1995 Dozentin am German Department an der University of Warwick/GB; langjährige Chefredakteurin der Zeitschrift Gestalttherapie; Vorträge und Veröffentlichungen zum Thema "Gender und Darstellungsformen des Weiblichen in der Literatur". Lebt und arbeitet in Berlin.

11:00 Uhr
Stiftersaal
Autorenlesung
Julya Rabinowich Zum Aspekt des Schönen und Gelingenden
Julya Rabinowich (c)MichaelMazohl / kuv2019
©MichaelMazohl

Julya Rabinowich,1970 in St. Petersburg geb., 1977 entwurzelt und umgetopft nach Wien. Sie ist Schriftstellerin und Kolumnistin. Bei Deuticke erschienen Spaltkopf (2008, u. a. mit dem Rauriser Literaturpreis 2009 ausgezeichnet), Herznovelle (2011, für den Prix du Livre Européen nominiert), Die Erdfresserin (2012) und Krötenliebe (2016). Mit Dazwischen: Ich veröffentlichte sie bei Hanser 2016 ihr erstes Jugendbuch. Es wurde u. a. mit dem Friedrich-Gerstäcker-Preis, dem Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis und dem "Luchs" (DIE ZEIT & Radio Bremen) ausgezeichnet, sowie unter die Besten 7 Bücher für junge Leser gereiht.

11:30 Uhr
Stiftersaal
Franz Schuh
Böse Freude. Über den Wiener Schmäh
Franz Schuh (c)HelmutWimmerZsolnay2014 / kuv2019
©HelmutWimmerZsolnay2014

Der Wiener Schmäh macht Freude, wenn man ihn hat. Falls man sein Opfer wird, ist die Freude enden wollend, auch wenn es eine Schmäh-Variante gibt, die – entsprechend der klassischen Ironie – dem Opfer keine Möglichkeit gibt, die Verhöhnung zu durchschauen und auf sich zu beziehen. So etwas wie der Wiener Schmäh ist vielfältig, "komplex"; aber ein Strang der Interpretation könnte die Dialektik sein, dass die Freude am Schmäh aus der Freudlosigkeit kommt: Der Schmäh ist eine Funktion des Grants, mit dem – bei verstörenden Ausnahmen - die Wienerinnen und Wiener zur Welt kommen und den sie ihr ganzes Leben lang, gut begründet, pflegen und ausleben können.

 

Franz Schuh, Philosoph, Schriftsteller, Literaturkritiker, 1947 in Wien geboren, studierte Philosophie, Geschichte und Germanistik. Von 1976 bis 1980 war er Generalsekretär der Grazer Autorenversammlung, ab 1980 Redakteur der Literaturzeitschrift Wespennest. Bekannt wurde er seit den 1980er Jahren als Literaturkritiker für Profil und Falter sowie als Kolumnist für DIE ZEIT, Neue Zürcher Zeitung und Literaturen. Darüber hinaus ist er als freier Mitarbeiter für Rundfunkanstalten sowie als Lehrbeauftragter an der Universität für angewandte Kunst Wien tätig. Zahlreiche Veröffentlichungen, zuletzt: Der Krückenkaktus. Erinnerungen an die Liebe, die Kunst und den Tod (2011); Sämtliche Leidenschaften (2014); Fortuna. Aus dem Magazin des Glücks (2017). Er wurde vielfach ausgezeichnet; 2017 wurde ihm der Paul Watzlawick-Ehrenring der Ärztekammer Wien verliehen.

 

12:00
Stiftersaal

Im Gespräch
Renate Becker, Julya Rabinowich mit Peter Huemer

PeterHuemer (c)PeterValentin / kuv2019

Peter Huemer, 1941 in Linz geb., ist Journalist und Historiker. Studium der Geschichte, Germanistik
und Kunstgeschichte an der Universität Wien. Ab 1969 Mitarbeiter in der Dokumentationsabteilung
des Österreichischen Fernsehens. 1974-1976 Mitarbeiter bei Claus Gatterer am TV-Magazin teleobjektiv; 1977-1987 Leiter der Talk-Show Club 2; 1987-2002 Im Gespräch im ORF-Hörfunk; 1989-1994 Moderator Streit im Schloss, Südwestfunk, Saarbrücken; 1992-2001 Moderator Berliner Begegnungen, 3sat.
Seit 2003 Lehrtätigkeit an der Filmakademie Wien und seit 2006 auch an der Universität Wien. Zahlreiche Auszeichnungen und Preise für die wissenschaftliche und für die journalistische Tätigkeit,
u. a. Kunschak-Preis, Preis der Stadt Wien, Torberg-Medaille, Axel Corti-Preis, Staatspreis für Kulturpublizistik.

16:00 Uhr
Stiftersaal

Lutz Ellrich
Ist Schönheit etwas Positives?

Lutz Ellrich / KUV 2019

Kant betrachtete Kunst, Moral und Wissenschaft (das Schöne, Gute und Wahre) als autonome Bereiche mit je eigenen Strukturen und Gesetzen. Gleichwohl erkannte er, wie leicht wir (vielleicht verzückt von einer formvollendeten antiken Plastik, einer wohlproportionierten Frau, einer eleganten Geste der Großzügigkeit) bereit sind, "Schönheit als Symbol der Sittlichkeit" (1790) aufzufassen. Den Wert dieser menschlichen Gepflogenheit stellte Thomas de Quincey 1827 in Frage, indem er auch und gerade den "Mord als eine schöne Kunst" in Betracht zog. Damit trennte er radikal das Schöne vom Guten und vertrat den Standunkt einer Moderne, die sich die Amoralität der Kunst auf ihre Fahnen schrieb. Bald darauf wurde das Kunst-Schöne relativiert und die "Ästhetik des Häßlichen" (Karl Rosenkranz, 1853) zur Geltung gebracht. Nach 1900 beherrschten schließlich "die nicht mehr schönen Künste" (Jauß, 1968) das Feld. – Und wo bleibt das Schöne? Das nehmen die Soziobiologen ins Visier und legen die verborgenen geschlechtertypischen Strategien der Partnerwahl frei. Doch auch die SoziologInnen setzen das Schöne auf die Agenda. Sie klären uns über Vor- und Nachteile physischer Schönheit in der Berufs- und Karrierewelt auf und führen uns die fatalen Folgen der medialen Über-Präsenz schöner Menschen-Bilder vor Augen. – Welch schöne Bescherung!

 

Lutz Ellrich, Prof. em. für Medienkulturwissenschaft an der Universität Köln. Forschungsschwerpunkte: Auswirkungen der Computertechnik; soziale Konflikte; Vertrauen und Misstrauen in Netzwerken, Organisationen und Märkten; politisches und experimentelles Theater.
Publikationen u. a.: Beobachtung des Computers (1995); Verschriebene Fremdheit (1999); Die Unsichtbarkeit des Politischen (2009); Vorführen und Verführen. Vom antiken Theater zum Internetportal (2011); Facetten der Gewalt (2014); Werte(de)konstruktionen. Die Problematik starker Orientierungen (2019).

 

16:30
Stiftersaal

Andreas Gruber

spricht zum Thema des Symposions

Andreas_Gruber (c)Stefan Brending / kuv2019
©StefanBrending

Andreas Gruber, 1954 in Wels geb., ist Drehbuchautor, Film- und Fernsehregisseur. Von 1974 bis 1982 Drehbuch- und Regiestudium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien. Ab 1978 freiberufliche Tätigkeit für Film und Fernsehen; ab 1979 Regieassistent bei Axel Corti. 2001–2002 Professor für Drehbuch und Dramaturgie an der Kunsthochschule für Medien in Köln; seit 2002 Professor für Regie und Drehbuch an der Hochschule für Fernsehen und Film, München.
Filme (Auswahl): 1983 Drinnen & Draußen; 1989 Shalom, General; 1994 Hasenjagd –Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen; 1997 Die Schuld der Liebe; 2002 Bella Block: Im Namen der Ehre; 2004 Welcome Home; 2008 Der Kurssturz des goldenen Kalbes; 2011 Der Kardinal.

Zahlreiche wichtige Preise und Auszeichnungen wurden ihm zuerkannt. Er ist Mitbegründer der OBERÖSTERREICHISCHEN KULTURVERMERKE

17:00
Stiftersaal

Knut Boeser

JA. DAS LOB AUF DEN VITRUVIANISCHEN MENSCHEN

Knut Boeser / KUV 2019

Das ist die Zukunft: Wir vervollkommnen uns frohgemut als selbstoptimierte Cyborgs und glauben als Mischwesen von lebendigen Organismen und Maschinen, angereichert mit Künstlicher Intelligenz, uns endlich von unserer irrationalen Emotionalität reinigen und unsere natürliche Schwäche überwinden zu können. Wir träumen uns als biologische Maschinen kybernetischer Organismen, damit wir mit Hilfe von biochemischen, physiologischen und elektronischen Modifikationen als "selbstregulierende Mensch-Maschinen-Systeme" überlebensfähig werden - und vergessen unter der Hand, dass wir uns damit tendenziell frohgemut freiwillig schlachten und opfern - und Erlösung dann konsequenterweise nur in der Selbstauflösung der Gattung erlangen. Das ist angesichts des trostlosen Resümees unseres allgemeinen ökonomischen, ökologischen, wirtschaftlichen und sozialgeschichtlichen Versagens die konsequente Weiterführung der grandiosen Elendsgeschichte der Aufklärung.
Rettung durch Schönheit. Wie dem Kitsch entkommen?
Winkelmann hat den Künstlern empfohlen, die Alten, die sich mit der Schönheit und dem Sinn auskannten, einfach nachzuahmen, ohne sich zu fragen, woher deren Kenntnis von der Schönheit denn rühren mochte – dabei ist die Antwort, die immer wieder im Laufe der Jahrhunderte vergessen wurde, ganz einfach. Vitruv hat sie im 1. Jahrhundert v. Chr. aufgeschrieben. Leonardo hat sie 1500 Jahre später wieder aufgegriffen und gezeichnet. Da steht der Mensch mit ausgebreiteten Armen und gespreizten Beinen in einem Kreis in einem Quadrat.
So wird der Mensch vermessen - und sein Maß wird auf alles übertragen, was Menschen schaffen. Und er wird sich in allem wiedererkennen. Und was er erkennt, wird er als schön empfinden, denn es ist das ihm Gemäße. So baut er den Tempel mit seinen Säulen, das Haus, in dem er wohnt, komponiert die Musik, die ihm gefällt, und alles, was er herstellt, ist schön - wenn es nach seinen Maßen gemacht ist. Das ist die Grundlage seines Schönheitsempfindens. Eine andere gibt es nicht. Um das zu können, muss er sich kennen und akzeptieren - und vor allem muss er sich in seiner Natur bejahen.

 

Knut Boeser, Schriftsteller, hat in Berlin und Paris Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Philosophie und Psychologie studiert. Zunächst Chefdramaturg, dann Intendant am Renaissancetheater Berlin, später Chefdramaturg am Theater in der Josefstadt Wien. Betätigte sich fünf Jahre als Dozent (für Drehbuch und Stoffenwicklung) an der Internationalen Filmschule Köln. War Mitglied des Kuratoriums des Österreichischen Filminstituts, ist geschäftsführender Vorstand im Verband Deutscher Drehbuchautoren und Mitglied der Deutschen Filmakademie. Gab u. a. Bücher über Max Reinhardt, Erwin Piscator und Oscar Panizza heraus. Schreibt Essays, Drehbücher, Theaterstücke und Prosa. Sein Roman Nostradamus wurde in elf Sprachen übersetzt. Lebt in Berlin.


17:30

Stiftersaal

Gesprächsrunde mit Lutz Ellrich, Knut Boeser, und Andreas Gruber

Moderation Peter Huemer

 

 

 

Musik: Gotthard Wagner / Mischa Niemann / Andreas Luger

GotthardWagner Andreas Luger/ KUV 2019

Mischa Niemann / KUV 2019

Gotthard Wagner – Geige

Mischa Niemann - Steirische Harmonika

Andreas Luger – Schlagwerk

 

Gotthard Wagner, klassisch ausgebildeter Geiger, Orchestermusiker und Musikant. Arbeitet im Bereich von Theatermusik/Tanzmusik/ Komposition/Arrangement/ (u.a. Stadtwerkstatt, Landestheater Linz, Stadttheater St. Gallen), sowie Avantgardemusik (u.a. Musikgruppe POST). Mitgründung der Musikgruppen: "Urfahraner Durchbruch", "Urfahraner Aufgeiger", "wiadawö!", "Trommelgeiger" und "wiadanano". Er inszeniert Geigenwanderungen, Tanz-, Entschleunigungs- und Improvisationsfeste und erprobt "Musik als exzellente Sprache" bei regionalen und internationalen Projekten.

 

Mischa Niemann spielt Geige, Harmonika und Bassgeige. Geigenausbildung bei Michael Frischenschlager am Konservatorium der Stadt Wien. Harmonikalehrer in verschiedenen Musikschulen des Waldviertels. Musikant bei "Urfahraner Aufgeiger und "wiadawö!". Mitgründung der Volksmusikgruppen "D`Rosenegger Zwiefachen", "Waldviertler Anklang" und der Cross Over Partie"Stört´s".

 

Andreas Luger , Ausbildung bei Gerhard Laber und Alfred Vollbauer in der LMS Neuhofen.
Studium Jazz-Schlagzeug bei Doug Hammond an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz.
Tourneen mit verschiedensten Projekten, wie u.a. Gust Maly, "Camorra", "soundso", "wiadawö!",
durch Europa, Indien, Japan und die USA. In den letzten 10 Jahren vielfach als Theatermusiker im Landestheater und im Musiktheater Linz tätig. Als Studiomusiker, Tontechniker und Produzent
in den unterschiedlichsten Musikrichtungen beschäftigt.

 

19:30
Klostersaal

Lesung
Aaron Karl

Textgestaltung/Einführende Worte: Ursula De Santis-Gerstenberg

Aaron Karl ©MarleneFröhlich / kuv2019
©MarleneFröhlich

Aus dem Buch Kohelet
"Ich habe im vergangenen Jahr etwas gelernt (zu lernen begonnen), ich habe es aus der Bibel gelernt, aus dem Buch Kohelet; das (relative) Glück des Augenblicks erkennen. Das habe ich nie gekonnt. Immer war ich die Durchreisende, die nie irgendwo ankam. Schon als Kind. Höchste Freude: Zugfahren, zur schwäbischen Großmutter fahren. Kaum saß ich zehn Minuten im Zug, überfiel mich Traurigkeit: die Fahrt dauerte ja nicht ewig; sie war schon von Anfang an dabei, zu Ende zu gehen; und aus lauter Trauer darüber half ich mit, dass die Fahrt noch schneller zu Ende ging: ich stellte mir vor, sie sei schon vorüber und ich sei auf der Rückfahrt. Es gelang mir einfach nicht, die Stunde des Fahrens zu genießen, ich war der Reise samt Rückkehr längst voraus. Und das Seltsame: Dieses Nicht-im-Augenblick-Sein befriedigte mich in aufregender Weise. So war es auch später: ich war endlich irgendwo, wo zu sein ich mir lang gewünscht hatte, etwa zum ersten Mal in Paris oder Athen oder New York; da saß ich nun, und war doch nicht da, war schon wieder fort. Das Gegenwärtige galt nie. Wurzeln fassen, wenn auch nur für eine Weile, das gelang mir nicht. Immer war ich schon weiter, immer war alles überholt..."
(aus: Luise Rinser, Baustelle. Eine Art Tagebuch, Frankfurt a. M. 1977)

 

Aaron Karl; Der 1990 geborene Sohn von Schauspieler Fritz Karl stand schon im Alter von
6 Jahren das erste Mal vor der Kamera und wirkte seitdem bei zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mit. Nach seiner Schauspielausbildung an der Filmuniversität Babelsberg (Potsdam) absolvierte er 2018 sein Bühnendebüt bei den Festspielen Schloss Tillysburg (Asten/St. Florian). Neben der Arbeit als Schauspieler ist er auch als Musiker tätig. Er lebt in Wien.

 

Treffpunkt Symposion Hotel Post
 

AK-Kultur