Traunkirchen, 25.10 bis 28.10.2018

Freitag, 26. Oktober 2018

10:30 Uhr
Stiftersaal

Jugendprogramm
Workshops mit den Referenten der O.Ö. Kulturvermerke

 

 

10:30 Uhr
Klostersaal

Film

Shalom General

(Drama | Österreich 1989 | 100 Min)
Regie: Andreas Gruber

Paul Michael Zulehner / KUV 2016

 

Ein Zivildienstleistender in einem Alten- und Pflegeheim führt mit einem gelähmten Wehrmachtsoffizier einen verbissenen Kleinkrieg, in dem ihre völlig unterschiedlichen Lebensauffassungen aufeinanderprallen. Im Laufe ihrer Beziehung entwickeln die Kontrahenten jedoch Toleranz und Verständnis füreinander, sodass eine Verständigung möglich wird. Die geglückte Verzahnung der Spielhandlung mit dokumentarischen Teilen macht den Film zu einer wichtigen Auseinandersetzung mit dem Alter. Da die zentralen Themen Toleranz und Verständigung mit Witz und Ironie aufbereitet werden, umgeht er schulmeisterliche Trockenheit und präsentiert seine Botschaft höchst unterhaltsam.

 

15:00 Uhr
Klostersaal
Lutz Ellrich
Der tiefe Fall des Joseph McCarthy
Renate Becker/KUV 2016

"Versetzen Sie sich zurück in die Zeiten des kalten Krieges! Ende der 1940er und Anfang der 1950er Jahre kursiert in der USA die paranoide Vorstellung, dass politische und kulturelle Institutionen von Kommunisten unterwandert und daher die rücksichtslose Säuberung der zentralen staatlichen Behörden und der wichtigsten Produktionsstätten (niederer und hoher) kultureller Werte – nämlich die großen Filmstudios – unbedingt geboten sei. Joseph McCarthy ist der unbestrittene Hero in diesem Kampf gegen die kaum sichtbaren bösen Mächte, die das Land bedrohen. Doch McCarthy übertreibt seine Kampagne. Hybris heißt die fatale (aus der griechischen Tragödie bekannte) Krankheit, die ihn erfasst hat. Präsident Eisenhower lässt McCarthy fallen, ohne sich offen gegen ihn zu wenden. Wie aber kommt es zum Sturz des mächtigen Senators? Letztlich ist es ein einziger, im Fernsehen – also coram publico – ausgesprochener Satz eines Kontrahenten, der den Niedergang einleitet. Noch genauer: Es ist die Bedeutung eines Wortes, die McCarthy zugrunde richtet. Und damit sind wir beim Thema.

 

Lutz Ellrich, Prof. em. für Medienkulturwissenschaft an der Universität Köln. Forschungsschwerpunkte: Auswirkungen der Computertechnik; soziale Konflikte; Vertrauen und Misstrauen in Netzwerken, Organisationen und Märkten; Raub und Produktpiraterie, modernes Theater Publikationen u. a.: Beobachtung des Computers (1995), Verschriebene Fremdheit (1999), Die Unsichtbarkeit des Politischen (2009), Vorführen und Verführen. Vom antiken Theater zum Internetportal (2011), Facetten der Gewalt (2014).

 

15:30 Uhr
Klostersaal
Knut Boeser
Respekt vor dem Anstand
Walter Ötsch / KUV 2016

"Sitz gerade, kau langsam, schlinge nicht, schmatze nicht, rülpse nicht, popel nicht, furze nicht, rede nicht dazwischen, drängel dich nicht vor, halte die Hand vor den Mund, wenn du gähnst... Regeln für Kinder, Regeln für Erwachsene, Einschränkungen sicherlich, auch, zugegeben, Bevormundungen, insgesamt aber doch wohl vernünftige Prinzipien des Zusammenlebens. Oder etwa nicht? Ja, bitte, woher hätte denn Moritz Schreber wissen sollen, nur weil er sich mit der Gesundheit der Kinder beschäftigte und einige praktische orthopädische Geräte erfand, die den Kindern helfen sollten, neben Anstand und Manieren auch eine gesunde körperliche Haltung bei Tisch zu lernen, dass sein eigener Sohn Daniel Paul später psychotische Wahnvorstellungen entwickeln und von Carl Gustav Jung, Sigmund Freud und Elias Canetti beschrieben werden sollte. Das hatte er sich nun wirklich nicht vorstellen können und auch sicher nicht gewollt. Und wer weiß schon, dass ausgerechnet der als Anstandsdiktator verrufene Freiherr Knigge gar kein Freund von Anstandsregeln war, und alle die, die sich daran hielten‚ Schafsköpfe, Schöpse, Plusmacher und Pinsel' nannte. Eine seiner Anweisungen lautete deshalb auch: ‚Sei, was du bist, immer ganz und immer derselbe'; und er riet nur dem, der glaubt, der Gesellschaft nicht entbehren zu können, er‚ soll sich ihren Gebräuchen unterwerfen, weil sie mächtiger sind als er.' Ja, mit dem Anstand ist es ein vertracktes Ding. Ohne geht's wohl schlecht im gesellschaftlichen Zusammenleben, mit geht's allerdings recht oft dramatisch und dann gleich insgesamt gewaltig schief!"

Knut Boeser, Schriftsteller, hat in Berlin und Paris Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Philosophie und Psychologie studiert. Zunächst war er Chefdramaturg, dann Intendant am Renaissancetheater Berlin, später Chefdramaturg am Theater in der Josefstadt Wien. Er betätigte sich fünf Jahre als Dozent (für Drehbuch und Stoffenwicklung) an der Internationalen Filmschule Köln.
Er war Mitglied des Kuratoriums des Österreichischen Filminstituts, ist geschäftsführender Vorstand im Verband Deutscher Drehbuchautoren und Mitglied der Deutschen Filmakademie.

Er gab u. a. Bücher über Max Reinhardt, Erwin Piscator und Oscar Panizza heraus. Er schreibt Essays, Drehbücher, Theaterstücke und Prosa. Sein Roman Nostradamus wurde in elf Sprachen übersetzt. Knut Boeser lebt in Berlin.

 

16:00 Uhr
Klostersaal

Anton Thuswaldner
Warum darf Tom Sawyer nicht "Nigger" sagen?

Peter Huemer / KUV 2016

Was sagt es aus über eine Zeit, wenn Klassiker auf ihre moralische Tauglichkeit für heute geprüft werden? Sprechen wir von einer neuen Form der Zensur, wenn deren Bücher bereinigt werden sollen, oder zeigt sich darin eine Art nachgetragenen Respekts, der einzelnen Personengruppen lange verweigert wurde? Die Häscher der political correctness erwischen jetzt auch die Größen von damals, über die nun aus der Haltung moralischer Überlegenheit Gerichtstag gehalten wird. Das zieht seltsame Konsequenzen nach sich.

 

Anton Thuswaldner,  1956 in Lienz geb., Literaturkritiker. Studium der Germanistik und Geschichte in Salzburg. Lebt als Literaturkritiker ebenda, wo er für in- und ausländische Medien (Salzburger Nachrichten, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Rundschau, Die Furche) arbeitet. Von 1993 bis 2012 war er Jurymitglied des "aspekte"-Literaturpreises. 1996 wurde er mit dem Österreichischen Staatspreis für Literaturkritik ausgezeichnet. Mehrere Buchveröffentlichungen, zuletzt erschienen: Österreichisches Lesebuch (Hg., 2000), Kaprun. Steinstunden (2005), Das jüdische Budapest (mit Péter Nádas, 2010), Salzkammergut schauen. Ein Blick ins Ungewisse (mit Christian Dirninger und Thomas Hellmuth, 2015), Mit dem Barock fängt alles an - Warum Salzburg ist, wie es ist (2016).

16:30
Klostersaal

Im Gespräch
Walter Reicher mit Peter Huemer über Respektlosikkeit gegenüber Kunst und Künstler

Hannas schlafende Hunde / Film von Andreas Gruber / KUV 2016

Walter Reicher, ist Intendant und Geschäftsführer der "Burgenländischen Haydnfestspiele" (seit 1988) sowie Generalsekretär (seit 1993) und Vorstandsvorsitzender (seit  2016) der "Internationalen Joseph Haydn Privatstiftung Eisenstadt".
Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der WU Wien (Dissertation Funktionen des Managements in Kunstmuseen); Theaterwissenschaften an der Universität Wien;
Kulturmanagement an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Wien.
Lehrauftrag am Institut für Kulturmanagement (IKM) an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (seit 2003).
Mitbegründer der Haydn Society of North America, Kuratoriumsmitglied der Haydn Society of Great Britain, der Dutch Haydn Foundation und der Haydn Foundation Dolni Lukavic (Czech Republic). Mitglied im Musikbeirat (seit 1995) und im Museumsbeirat (seit 2016) der Burgenländischen Landesregierung. Herausgeber der musikwissenschaftlichen Reihe "Eisenstädter Haydn Berichte / Eisenstadt Haydn Reports" (seit 2002). Produzent der Weltersteinspielung aller Werke von Joseph Haydn für Baryton auf  21 CDs (2007-2009).

17:30
Klostersaal

Andreas Gruber

spricht zum Thema Respekt

Hannas schlafende Hunde / Film von Andreas Gruber / KUV 2016

Andreas Gruber, 1954 in Wels geb., ist Drehbuchautor, Film- und Fernsehregisseur. Von 1974 bis 1982 Drehbuch- und Regiestudium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien. Ab 1978 freiberufliche Tätigkeit für Film und Fernsehen; ab 1979 Regieassistent bei Axel Corti. 2001–2002 Professor für Drehbuch und Dramaturgie an der Kunsthochschule für Medien in Köln; seit 2002 Professor für Regie und Drehbuch an der Hochschule für Fernsehen und Film, München. Filme (Auswahl): 1983 Drinnen & Draußen; 1989 Shalom, General; 1994 Hasenjagd –Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen; 1997 Die Schuld der Liebe; 2004 Welcome Home; 2008 Der Kurssturz des goldenen Kalbes auf der  Grundlage des Fragments von Walter Benjamins Kapitalismus als Religion. Preise und Auszeichnungen (u. a.): 1990 Max Ophüls-Preis; 1994 Kulturpreis für Film des Landes Oberösterreich; 1995 Deutscher Kritikerpreis; 1996 Preis des Verbandes Deutscher Kritiker; 1996 Preis der Österreichischen Filmtage Wels; 2000 Goldene Romy für Beste Regie.

18:00

Klostersaal

Gesprächsrunde mit Lutz Ellrich, Knut Boeser, Anton Thuswaldner und Andreas Gruber

Moderation Peter Huemer

 

 

 

Anschließend

Umtrunk mit dem Bezirkshauptmann Ing. Mag. Alois Lanz

Franz Schuh / KUV 2016

Musik: Paul Zauner & Jan Kořínek

Paul Zauner – tb

Jan Kořínek - Hammond organ

 

Posaune und eine Hammond Orgel B2 aus dem Jahr 1952. Reminiszenzen an den alten Blues, Gospel, Ray Charles, The Band. Alte Soulmusik wird neu gedacht.

 

 

AK-Kultur