Gmunden, 19.10 bis 22.10.2017

TERROR. Über Gewalt in Geschichte und Gesellschaft

 

ZUM THEMA

Die europäischen Gesellschaften waren nach dem Zweiten Weltkrieg wenigstens insofern friedliche Gesellschaften, da sie lange Zeit gegeneinander keine Kriege führten. Als es Ende des 20. Jahrhunderts im Zuge der Auflösung Jugoslawiens wieder zu Kriegen kam, herrschte unter den europäischen Bevölkerungen nicht zuletzt Staunen darüber, wie denn eine solche Entfesselung von Gewalt in Europa überhaupt möglich sei.

Allerdings gab es Erfahrungen mit terroristischer Gewalt schon früher, zum Beispiel in der Bundesrepublik Deutschland, in der aus der sogenannten "Studentenbewegung" der Siebzigerjahre auch die terroristische Vereinigung der RAF, der Roten Armee Fraktion, hervorging. Nimmt man diese Fraktion zum Maßstab, könnte man sagen: Eine terroristische Vereinigung begeht Verbrechen und verschleiert sie - für sich und ihre Anhänger – mit politischen Gründen. Sie fordert den Staat, der als Rechtsstaat über das Gewaltmonopol verfügt, heraus und versucht die Gewalt, die dieser Staat gegen den Terrorismus anwendet, propagandistisch zu verwerten: Seht, so brutal ist dieser Staat, der verspricht, allen ein Rechtsstaat zu sein.

Es gibt aber auch Staatsterrorismus, Hitler und Stalin haben ihn systematisch ausgeübt. Das war zum Teil grotesker Terror, weil jeder ihm zum Opfer fallen konnte, gleichgültig, ob er Schuld auf sich geladen hatte oder nicht. Dass Unschuld keine Sicherheit gewährt, verstärkt die Wirkung des Terrors, den das Lexikon so definiert: "Terror (lat. terror "Schrecken") ist die systematische und oft willkürlich erscheinende Verbreitung von Angst und Schrecken durch ausgeübte und angedrohte Gewalt, um Menschen gefügig zu machen."

Es ist der islamistische Terror, der die zum Glück gewaltentwöhnten Menschen Europas wieder an alte Gefährdungen und an die mögliche Präsenz von Gewalt in ihrem Alltag erinnert. Der islamistische Terror hat nicht die Rationalität, jemanden gefügig machen zu wollen; er ist einerseits genügsam, denn er begnügt sich mit der Rache durch Vernichtung. Andererseits ist er größenwahnsinnig und überschätzt sich selbst, denn er soll ja den Terroristen ins Paradies befördern. Der "Kampf gegen den Terror" wiederum provoziert die Gefahr, dass man glaubt, die liberalen Prinzipien, für die man kämpft, wenigstens relativieren zu müssen, um siegen zu können.

Terrorismus ist also auf den ersten Blick schon ein vielfältiges und widersprüchliches Phänomen. Sich vom Terror einen Begriff zu machen, gehört heute leider zu den Aufgaben des mündigen Bürgers. Die Oberösterreichischen Kulturvermerke versuchen bei dieser Begriffsbildung mitzuwirken, indem sie den Terrorismus in Geschichte und Gegenwart analysieren.

(Franz Schuh)