Tarzan und Jane
Über Frauen und Männer
Menschen kommen auf der Welt auf zweierlei Art vor: als Frauen und als Männer. Diese Differenz, die von Natur aus (jedenfalls von Geburt an) existiert, hat in verschiedenen Gesellschaften und zu verschiedenen Zeiten sowohl andere Interpretationen als auch eine jeweils andere Praxis gefunden, mit der Differenz umzugehen. In diesem Sinne gibt es keine „Natur“, die vorschriebe, was Frauen sind, was Männer sind und was sie tun sollen. Solche Fragen werden nicht zuletzt durch die Machtverhältnisse entschieden: „Das Patriarchat“ (inklusive diverser Buberlpartien) ist immer noch am Werk. Günther Anders, ein berühmter Philosoph, hat auf die Frage, was denn im 20. Jahrhundert, dem Jahrhundert der Gewalt, doch eine Errungenschaft war, geantwortet: „Die Frauenemanzipation.“ Diese Emanzipation ist ebenso noch im Gange, nicht zuletzt auf sozialer und ökonomischer Ebene. Die logische Maxime: „Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit“ ist ja bei weitem nicht eingelöst. Auch bestimmte gesellschaftliche Positionen (zum Beispiel die Rektorate der Universitäten) sind überwiegend mit Männern besetzt. Frauen und Männer – das ist nicht zuletzt eine soziale Frage. Gegen die Emanzipation der Frauen ist in den letzten Jahren ein neuer Antifeminismus entstanden. Dessen Vertreter drehen den Spieß um: Männer geben an, sich von Frauen instrumentalisiert und ausgebeutet zu fühlen. Die Differenz zwischen Mann und Frau gibt Anlass, sie aufzuheben, zum Beispiel in der Liebe. Aber sie ermöglicht auch privaten und ebenso politisierten Hass, der von beiden Seiten ausgehen kann. Die Oberösterreichischen Kulturvermerke 2012 versuchen streitbar und doch rational (gegen die irrationalen Bilder, zum Beispiel „Tarzan und Jane“) Konflikte und Synthesen von Männern und Frauen zu ergründen.
Franz Schuh